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Perspektiven, die zählen

Anerkennung als Motivationswerkzeug – funktioniert das bei erfahrenen Mitarbeitern wirklich

Anerkennung als Motivationswerkzeug – funktioniert das bei erfahrenen Mitarbeitern wirklich

Von Februar bis April 2025 testeten wir verschiedene Formen der Anerkennung in drei Teams mit insgesamt 23 Mitarbeitern zwischen 55 und 64 Jahren. Die Hypothese war simpel: Mehr Anerkennung führt zu höherer Motivation. Die Realität stellte sich differenzierter dar.

Öffentliches Lob in Meetings

Einmal wöchentlich hoben wir in Teambesprechungen konkrete Leistungen einzelner Personen hervor. Der positive Effekt: Bei zwölf Personen stieg die Bereitschaft, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Drei Kollegen berichteten, dass sie sich nach Jahren erstmals wieder richtig gesehen fühlten.

Die problematische Seite zeigte sich bei den anderen elf. Fünf empfanden das öffentliche Lob als peinlich und baten uns, damit aufzuhören. Vier weitere sagten, es wirke unaufrichtig, weil es nach Schema ablief. Zwei Personen entwickelten sogar eine Art Wettbewerbsdenken, das vorher nicht existierte und die Teamdynamik belastete.

Persönliche Feedbackgespräche alle zwei Wochen

Statt der üblichen Jahresgespräche führten wir kurze, 15-minütige Einzelgespräche ein. Vorteil: 18 von 23 Teilnehmern schätzten die regelmäßige Rückmeldung. Probleme wurden früher erkannt, Lösungen schneller gefunden. Die Fluktuation sank in diesem Zeitraum auf null.

Nachteil: Der Zeitaufwand war erheblich. Für drei Teams benötigte die Führungskraft etwa sechs Stunden alle zwei Wochen. Bei akuten Projekten mussten Gespräche verschoben werden, was Enttäuschung auslöste. Außerdem berichteten vier Personen, dass die Häufigkeit Druck erzeugte, ständig Fortschritte vorweisen zu müssen.

Kleine finanzielle Boni für besondere Leistungen

Wir verteilten Gutscheine im Wert von 50 bis 100 Euro für herausragende Arbeit. Die Resonanz war gemischt. Neun Personen freuten sich über die Geste. Sechs empfanden die Beträge als zu gering, um wirklich zu motivieren. Acht sagten direkt, dass Geld nicht ihr Hauptmotiv sei und sie lieber mehr Mitspracherecht bei Projekten hätten.

Ein unerwartetes Problem: Die Kriterien für "besondere Leistungen" blieben trotz unserer Bemühungen subjektiv. Das führte zu Diskussionen darüber, wer warum ausgezeichnet wurde.

Autonomie als stärkster Motivator

Was sich durchzog: Mitarbeiter mit mehr Entscheidungsfreiheit bei der Art ihrer Aufgabenerfüllung zeigten durchweg höhere Zufriedenheit. Das betraf 19 von 23 Personen. Anerkennung wirkte nur dann, wenn sie spezifisch, privat und mit echter Wertschätzung verbunden war. Standardisierte Ansätze erzeugten oft das Gegenteil.